• Ein Dachstockausbau bietet mehr Lebensqualität

Ein Dachstockausbau bietet mehr Lebensqualität

10.09.2021 PHILIPP DREYER Journalist, Zürich

Ausbau – Ein ausgebauter Dachstock bietet zusätzlichen Wohnraum. Er verbreitet ein gemütliches Ambiente und ist ebenso ein komfortabler Rückzugsort. Bevor mit der Planung und Umsetzung begonnen werden kann, sind jedoch einige bauliche und rechtliche Fragen zu klären.

In den meisten Fällen fristet der Estrich ein kümmerliches Dasein und dient als Abstellraum für Zügelkartons, Schachteln voller Krimskrams und Möbelstücke, von denen man sich nicht trennen möchte. «Ein Dachstock wird als Wohnraum häufig vernachlässigt», sagt Architekt Markus Schwab, Inhaber der Raumzeit Architekten in Aarberg. Er und sein Team haben schon mehrere Dachausbauten realisiert und sich auf individuelle und ökologische Neu- und Umbauten spezialisiert. Ein Ausbau des Dachstocks birgt viel Potenzial und schafft neuen und zusätzlichen Raum mit speziellem Charme – ob als weiteren Wohnraum, Schlaf-, oder Arbeitszimmer oder als eigenständige Wohnung.

«Die richtige und präzise Planung ist das A und O für einen modernen Dachstockausbau», weiss Architekt Schwab aus Erfahrung. «Daher startet die Planung nicht mit der Zielvorstellung, sondern stets mit der Ausgangssituation.» Bei einem Ausbau des Estrichs arbeitet man mit bestehenden Strukturen. Ebenso muss die Qualität der Bausubstanz berücksichtigt werden, der Zustand der Gebäudehülle und das Alter des vorhandenen Daches. Durch eine Begutachtung im Vorfeld lässt sich feststellen, ob gleichzeitig mit dem Ausbau eine umfassende Dachsanierung nötig ist. Der aktuelle Zustand von Dachstuhl, Eindeckung und Grundsubstanz hilft bei der Planung des Dachausbaus.

Vorschriften und Gesetze

Damit ein Estrich zum Wohnraum ausgebaut werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Ein wichtiger Aspekt ist die sogenannte Ausnützungsziffer. Hier werden Grundstücksfläche und Bruttogeschossfläche (BGF) in ein Verhältnis gesetzt. Auf Kantonsbeziehungsweise Gemeindeebene ist festgelegt, ob und in welchem Masse der vorher unbewohnte Raum erweitert werden darf. In der Bauordnung ist je nach Gemeinde ebenso festgehalten, welche Brandschutzmassnahmen nötig sind, wie gross die Dachfenster sein dürfen oder welche Form das Dach haben muss. Steht ein Haus unter Denkmalschutz, muss der Ausbau von der Denkmalpflege bewilligt wer- den.

Weitere Hürden sind zu nehmen

Sind alle Voraussetzungen für den Ausbau des Dachgeschosses gegeben, müssen weitere Hürden aus dem Weg geräumt werden. Will man den Estrich zu einem bewohnten Raum umnutzen, ist eine vollständige Baueingabe der erste Schritt zur Baubewilligung. Diese beinhaltet zum Beispiel Dachfenster, die für mehr Licht im Dachgeschoss sorgen.

Noch mehr Wohnraum und Licht gewinnt man mit dem Einbau einer oder mehrerer Lukarnen, die auch als Dachgauben bezeichnet werden. Sie lassen zusätzliches Tageslicht herein und dienen zur Belüftung des Dachraumes. «Sie sind eine Alternative zum Dachfenster, vergrössern die Wohnfläche und erlauben einen Ausblick auf die Umgebung», erklärt Schwab. Gegebenenfalls be- steht auch die Möglichkeit eines be- gehbaren Balkons. Das alles kann das Haus auch optisch aufwerten. «Für jeden Baustil stehen passende Gaubenformen zur Verfügung oder können je nach Kundenwunsch an- gefertigt werden».

Sogenannte Ornamentgauben passen hervorragend zu einem historischen Gebäude.
BILD STRUB DACHGAUBEN / LUCARNES GMBH

Dachgeschoss muss gedämmt sein

Ein wichtiger Aspekt beim Dachstockausbau ist die Innendämmung des Daches respektive der Dachschrägen. Dadurch sei eine optimale Isolation des neuen Wohnraums für den Winter wie auch für den Sommer gewährleistet, betont Architekt Schwab. Zur Auswahl stehen verschiedene Arten der Dachdämmung und eine Vielzahl unterschiedlicher Dämmmaterialien. Dazu zählen Stein- oder Glaswolle, Holzfaser oder Zellulose.

Die Kosten für die Dämmung des Dachbodens variieren je nach Art der Verkleidung. Um den Raum individuell aufzuteilen, können Wände eingezogen und mit Paneelen ausgekleidet werden. Ein Paneel ist im ursprünglichen Sinn eine Holztafel beziehungsweise eine furnierte Platte für Wand- und Deckenverkleidungen. Das häufigste Material für die Wandverkleidung sind verputzte Gipsplatten. Auch Spanplatten oder Massivholzbretter eignen sich hierfür.

Als Bodenbelag kommen nebst Holz auch Fliesen, Teppich, Laminat und Vinyl in Frage. Die Art des Bodenbelags hat einen grossen Einfluss auf die Kosten. Nicht zu vergessen ist der Einbau einer Treppe. Konnte bis anhin der Dachboden mit einer Klappleiter erreicht werden, ist für die ständige Nutzung der obersten Etage eine stabile Treppe nötig.

Heizung ist ein Muss

«Ist der Dachstock ausgebaut stellt sich unweigerlich die Frage, wie er beheizt werden soll», sagt Schwab. Bewohnerinnen und Bewohner von Wohnungen im Dachgeschoss klagen im Sommer häufig über Hitze und im Winter über Kälte. Je nach Grundfläche sind Höhen im Bereich von vier Metern häufig anzutreffen. Das hat zur Folge, dass in solchen Räumen einiges mehr an Luft erwärmt werden muss als bei einer Höhe von etwa zweieinhalb Metern. «Ein Gebäudetechniker sollte überprüfen, ob die bestehende Heizungsanlage des Hauses den zusätzlichen Heizbedarf im neuen Dachgeschoss bewältigen kann», rät Markus Schwab.

Nicht zu vergessen sind die elektrischen Anlagen: Bei der Grundausstattung eines Dachbodens umfasst die elektrische Basisausstattung üblicherweise nur ein Kabel für eine Leuchte und einen Lichtschalter. Das bedingt, dass beim Ausbau des Dachstocks die Elektroinstallation komplett neu konzipiert und umgesetzt werden muss.

Dass sich der Ausbau gelohnt hat, erlebt man spätestens an der neu gewonnenen Lebens- und Wohnqualität. Obwohl der Begriff «Wohlfühloase» manchmal etwas arg strapaziert wird – beim Dachausbau trifft er vollumfänglich zu. Dass diese bauliche Erweiterung den Wert einer Immobilie steigert, sei nur nebenbei erwähnt.

 

Übersicht
Dachgaube/LukarneFr. 5000 bis 15 000
DämmerungFr. 80 bis 250 pro m2
DachfensterFr. 2000 bis 3000
Dach neu eindeckenFr. 200 bis 250 pro m2
TrennwändeFr. 125 bis 175 pro m2
Innenverkleidungca. Fr. 20 pro m2
Innenputzca. Fr. 30 pro m2
Strom und Heizungab Fr. 7000
Anstrichab Fr. 40 pro m2
Bodenbelagab Fr. 100 pro m2
Treppe und AufstiegFr. 8000 bis 15 000

Kostenpunkte
BILD Raumzeit Architekten, Stefan Hartmann

Kostenpunkte

Die Umbaukosten hängen von vielen Details ab und unterscheiden sich vor allem nach Kanton, den Materialien und dem Arbeitsaufwand. Welche Arbeiten bei einem Dachausbau nötig sind, ist ebenso vom Ausbaustandard des bestehenden Estrichs abhängig. Bereits die benötigte Isolation eines Dachstocks in einem Einfamilienhaus kann Kosten zwischen 12000 und 20000 Franken verursachen. Hinzu kommen Dachfenster und Dachgauben, die Wand- und Bodenverkleidung sowie allfällige Elektroinstallationen und die Heizung. Allenfalls müssen auch die Leitungen für Strom, Heizung und Wasser verlängert werden.